Die Streber aus dem Mathe-LK mit dem stellvertretenden Schulleiter in Edinburgh – was soll da schon schiefgehen? Auf den ersten Blick gar nichts. Doch gleich am zweiten Abend war der Frieden gebrochen: Bei bester Stimmung packten die Lehrkräfte Anekdoten aus dem Lehrerzimmer aus, während die Schülerschaft im Gegenzug exklusiven Schul-Gossip zum Besten gab. Später wurden die Ausgehzeiten nicht nur im offiziellen Rahmen nach einem lehrreichen Whisky-Tasting großzügig gedehnt, sondern – so heißt es zumindest – selbst von den strebsamsten Schülern gebrochen. Doch dazu später mehr.
Aber von vorne
Alles begann mit laut geäußerter Empörung über die Unterbringung. Während die Lehrkräfte, Herr Rehbein und Frau Klug, kaiserlich in eigenen Zimmern samt individuellem Bad und Wasserkocher untergebracht waren, wurden die Schüler zu sechst in eine Sechs-Quadratmeter-Zelle gepfercht – ohne eigene Dusche und ohne eigenes WC.
Wanderungen
Ein absolut spektakulär stürmisches Naturerlebnis war die Wanderung zum Arthur’s Seat. Auf dem majestätischen Vulkan erwartete die Gruppe ein extrem starker Wind, dessen kraftvolle Böen so tüchtig pusteten, dass man kaum gerade stehen konnte und regelmäßig aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Nicht weniger beeindruckend, aber deutlich entspannter, ging es auf dem Calton Hill zu: Bei einer atemberaubenden Panorama-Aussicht über die historischen Dächer genossen die Teilnehmer die gemeinsame Zeit mit Frau Klug und Herrn Rehbein, während munter aus dem Lehrerzimmer beziehungsweise aus den Schülerkreisen erzählt wurde.
An einem anderen Tag fuhr die Truppe mit Herrn Rehbein ans andere Ende Schottlands in die Highlands, wo sich die Gruppe für eine Wanderung aufteilte:
- Gruppe 1, geführt von Felix, trat den geplanten Weg an. Während der Wanderung entschied sich Felix’ Schuhsohle spontan dazu, sich aufzulösen und löchrig zu werden, was ihm auf halbem Weg eine unvergleichliche Verbindung mit der schottischen Natur ermöglichte. Dennoch traf Gruppe 1 nach drei Stunden wohlbehalten wieder am Bahnhof ein.
- Gruppe 2, geführt von Moritz, verfehlte leider den eigentlichen Pfad. Da Herr Rehbein sich weigerte umzukehren, beschloss man kurzerhand, querfeldein durch Wälder und Wiesen zu marschieren. Um den Schülern zu demonstrieren, wie sicher und leicht man den Graben auf ihrem neuen Weg überwinden könne, ging Herr Rehbein voran – und trat prompt direkt beim ersten Versuch tief in den Graben hinein! Im anschließenden Moor wurde die Schuhinnenraumfeuchtigkeit nicht geringer. Anstatt auf das Smartphone zu schauen oder kurz innezuhalten, marschierten die Gruppenführer unverdrossen weiter quer durch die Wildnis. Das Resultat war eine völlig neue, uneinnehmbare Komoot-Route, die wohl jeder nachfolgende Wanderer verfluchen wird. Nach stolzen fünf Stunden und mit einem von Benjamin mitgeschleppten Baumstamm kam aber auch Gruppe 2 schließlich sicher am Bahnhof an.
Die Saga um „Potty“ und die Potato Gun
Ein herrlich spontaner Höhepunkt ereignete sich an einem Abend, als Herr Rehbein, Frau Klug und einige Schüler hochmotiviert bei einer Quiznight in einem urigen Pub antraten. Aus begründeter Angst, vollkommen abzustinken, wurde zwar fleißig gegoogelt, doch am Ende belegte das Team nur den zweiten Platz. Der Lohn der Mühen: eine absolut geniale Potato Gun und Seifenblasen!
Am nächsten Tag nutzten mutige Schüler die Gelegenheit, Herrn Rehbein mit der Kartoffelkanone zu bedrohen und eine Verlängerung der Ausgehzeit zu fordern. Herr Rehbein entwaffnete die Angreifer jedoch in einer spektakulären Aktion. Dem Schüler Felix blieb daraufhin nur die eigens für den Anschlag gekaufte Kartoffel, die er liebevoll „Potty“ taufte und als treues Gruppenmaskottchen anderthalb Tage lang stolz überallhin mitnahm. Herr Rehbein übernahm unterdessen begeistert das Kommando über die Waffe und beschoss in bester Laune sowohl Schüler als auch völlig wehrlose Passanten.
Beim Ausflug in die Highlands passierte schließlich das große Drama: Potty fiel unglücklicherweise zwischen die Gleise! Auf dem Rückweg wandte sich Felix hoffnungsvoll an das Personal der Trainstation, wurde jedoch herzlich ausgelacht und die Bergung der Kartoffel wurde ihm verwehrt. (Das Lachen ist angesichts des tragischen Verlusts eine wirklich traumatische Erfahrung gewesen!) Als Herr Rehbein zwei Stunden später noch einmal besorgt nachhakte, erklärte man ihm völlig ruhig, dass die Rettung unseres verlorenen Gruppenmitglieds leider aussichtslos sei. Daraufhin formulierte HG eine nette E-Mail an Schulleiter Herrn Cimiotti, in der er um eine offizielle Schweigeminute bat. Obwohl Herr Rehbein das Schreiben eigenhändig gegenzeichnete, blieb eine Antwort aus der Schulleitung bis heute aus – man sieht eben, wie mit einem wahren Verlust der Schülerschaft und „werten“ Schulleitungskollegen umgegangen wird!
Karaoke
Am Mittwochabend versammelte sich die gesamte Mannschaft in einem Pub, um sich voller Euphorie der Musik zu widmen. Die Gesangsdarbietungen reichten von erstaunlich gut bis hin zu schallendem Vergraulen der Stammgäste – was immerhin den Vorteil kürzerer Wartezeiten an der Bar brachte! Herr Rehbein beglückte das Lokal mit seinem lieblichen Stimmchen, und auch Frau Klug traute sich nach langer Überredungsarbeit, ihre musikalischen Fähigkeiten zu präsentieren. Das eigentliche Highlight des Abends war jedoch ein frisch gebackener 18-jähriger Schotte, der voll wie eine Haubitze war und mit Herrn Rehbein einschlug, als wären sie alte Freunde. Der stellvertretende Schulleiter zögerte keine Sekunde und versuchte wacker, den gelallten Wortschwallen des Teenagers zu folgen – was letztlich bei einem kurzen Plausch blieb.
Kultur
Ein weiteres kulturelles Highlight war unser Dudelsackkurs. Hier erlebten wir schottische Tradition hautnah – und verstanden schlagartig, warum die Schotten so laute Stimmorgane haben: Diese Instrumente lassen einen schlichtweg ertauben! Direkt im Anschluss folgte eine 15-minütige Lektion in traditionellen schottischen Hochzeitstänzen. Hier zeigten sich echte Entertainment-Talente: Semen und Linus konnten gar nicht genug bekommen! Mit sprühender Begeisterung brachten die beiden die gesamte Gruppe durcheinander, da sie ständig ihren Platz verließen, um sich ganz nach vorne zu drängeln und dort voller Hingabe – und völlig falsch – das Tanzbein zu schwingen. Um es auf Göblisch zu sagen: Die Aktion war einfach Toooooooop!
Flüssiges Gold
Glen Grant – So hieß der beste Whisky, der bei der offiziellen Verkostung ausgeschenkt wurde. Trotz eher knauserig bemessener Probemengen, die die Lehrkräfte erzürnten und manche Schüler leicht entgeistert zurückließen, war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Alle Fragen wurden fachmännisch beantwortet, und die Präsentation der Herstellung war extrem lehrreich. Vor allem lernten wir eine tiefgründige Lebensweisheit: „Der Regen von heute ist der Whisky von morgen!“ Angesichts dieser Erkenntnis überlegten Herr Rehbein und HG augenblicklich, vor Ort einen enthusiastischen Regentanz aufzuführen, um eigenhändig für flüssigen Nachschub zu sorgen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen sie noch heute….
Harry Potter
Da Edinburgh auch UNESCO Literaturstadt ist, musste die Reisegruppe natürlich auch diese Facette der Stadt erkunden. Auf den Spuren J.K. Rowlings wandelten sie durch die Straßen. Ob die Zeremonien um den sprechenden Hut, die vier Häuser einer Schule, die in einem Schloss untergebracht sind, oder dem Fast Kopflosen Nick – zu vielen Aspekten aus dem Harry Potter Universum gab es eine ähnliche, möglicherweise für J.K. Rowling inspirierende Geschichte in Edinburgh. So zum Beispiel auch die Geschichte des Hundes Bobby, der in seiner starken, wenn nicht sogar übertriebenen, Loyalität merkwürdige Parallelen zu Dobby dem Hauselfen aufwies (ganz ähnlich verhält sich das auch bei den Lernenden Niclas und Benjamin). Auf dem Friedhof Greyfriars Kirkyard fand man auch einige Namensparallelen wieder. So ließen sich auf den alten Grabsteinen Namen wie McGonagall, Black oder Moody (bzw. Moodie) entdecken und auch ein gewisser Thomas Riddell, dessen Vater ebenfalls Thomas Riddell hieß, war zu finden – Herr Rehbein hat es allerdings, trotz einiger Andeutungen der Tourführerin, geschafft, den Friedhof zu verlassen und keine Plakette zu hinterlassen.
Ein faszinierender Zufall war ein Dudelsackspieler, der, während wir den Platz betraten, auf dem er spielte, zufällig anfing, die Titelmelodie der Harry Potter Filme zu dudeln.
Der letzte Tag
Der krönende Abschluss war der letzte Tag – der Tag, an dem Herrn Rehbeins Blutdrucktablettenvorrat bedrohlich zur Neige ging.
Erstens erwischte er am Morgen einige Schüler – darunter ausgerechnet jene, von denen man es am wenigsten erwartet hätte – dabei, wie sie sich nachts heimlich in einen Club geschlichen hatten. Die Hochintelligenten hatten nämlich vergessen (oder es schlichtweg nicht hinbekommen), die Clubstempel von ihren Händen abzuwaschen. Lasst euch das eine Lehre sein! (Vielleicht geht es mit Desinfektionsmittel?!?!)
Und ob dies das einzige nächtliche Ausreißen von Schülern war, das mögen die Autoren an dieser Stelle zu bezweifeln wissen.
Zweitens vergaß ein Schüler die goldene Regel: *stets in Dreiergruppen unterwegs sein*. Wegen fehlender Internetverbindung nicht erreichbar, saß er wenig motiviert im Kleinkinderbereich des am Morgen gemeinsam besuchten Museums. Er verweilte dort so lange unbemerkt, bis die Kleingruppen zufällig aufeinandertrafen und merkten: der ist gar nicht bei der anderen Gruppe dabei. Dann wurde eine groß angelegte Suchaktion gestartet. Im Hostel, in Läden und auf den Straßen wurde fieberhaft gesucht – doch niemand vermutete den 18-Jährigen im Kinderspielparadies des Naturkundemuseums! (Herr Rehbein suchte in seiner Tasche – Er suchte die Tabletten…). Erst kurz vor dem offiziellen Zeitpunkt des Treffens wurde er dort durch Zufall entdeckt. Die Erleichterung bei Herrn Rehbein war riesig – und seine Blutdrucktabletten reichten glücklicherweise gerade noch aus.
Alles in allem war es eine gelungene Fahrt, eine Fahrt der ersten Male. Das erste Mal Fliegen, das erste Mal auf der Insel, das erste Mal im Club…
Der Kurs wuchs als solcher zusammen. Die Mathematiker halfen sich, Dinge zu vertuschen, sie organisierten füreinander und es bildeten sich neue Gruppen, weil man bislang weniger bekannte Kameraden besser kennenlernte.
Damit beenden die Autoren diesen Text mit Krokodilstränen und großer Trauer über das Ende der Kursfahrt sowie das Ableben unseres werten Mitglieds Potty – RIP!
Schweigeminute.















